Impressionen

Lange Nacht der Zukunft
27.10.2018

Von dem was einmal sein könnte handelte die vierte und letzte „Lange Nacht“ der 35. Baden-Württembergischen Literaturtage, 27. Oktober 2018, in der Karlskaserne Ludwigsburg. Im Fokus der Veranstaltung stand das narrative Genre Science Fiction, das sich derzeit größter Beliebtheit erfreut. Zu Gast waren die renommierten Science-Fiction-Autoren Leif Randt und Marcus Hammerschmitt.

Wenn die Zeiten unsicherer werden und die Menschen sorgenvoll in die Zukunft blicken, ist das Interesse an literarischen Entwürfen, die auf denkspielerische Art und Weise Krisen zuspitzen und aus ihnen herausführen groß.

Leif Randt las aus seinem Roman „Planet Magnon“. Dort erzählt er von einer Gesellschaft, die seit fast 50 Jahren von künstlicher Intelligenz regiert wird.

Marcus Hammerschmitt, mehrfach mit dem Deutschen Science-Fiction-Preis ausgezeichnet, beschäftigt sich in seinen Oleg-Geschichten mit der Zukunft der vernetzten Welt. Städte sind in Segmente eingeteilt, Drohnen überwachen die Einhaltung der Regeln und Menschen haben Implantate und fremde Gewebearten in ihren Körpern, Daten werden auf einer zellulären Ebene übertragen.

Alexander Rieck, wissenschaftlicher Mitarbeiter am Fraunhofer Institut für Arbeitswissenschaft und Organisation in Stuttgart sowie Partner und Direktor des internationalen Architekturbüros LAVA veranschaulichte auf spannende Weise an Projektplanungen im arabischen Raum, dass Architektur und Stadtentwicklung weit in die Zukunft schaut.

Im Dialog wurde eindrucksvoll vor Augen geführt, dass es bei diesem literarischen und architektonischen Blick in die Zukunft weniger um denkbare technische Möglichkeiten, als um gesellschaftliche Entwicklung und letztendlich um das Menschsein in einer fernen Zukunft geht. Matthias Göritz, einer der beiden Kuratoren der Literaturtage, und Barbara Heine moderierten die Veranstaltung.

Bildrechte: Benjamin Stollenberg

Lange Kriminacht
20.10.2018

Die dritte „Lange Nacht“ brachte am Samstag, 20. Oktober, im großen Saal des Kulturzentrums die drei Krimiautoren Volker Kutscher, Jan Seghers und Tom Hillenbrand zusammen.

Volker Kutscher las Auszüge aus seinem Werk „Lunapark“, das vom sechsten Fall des Berlin-Kommissars Gereon Rath erzählt. 2007 veröffentlichte Kutscher den ersten Band seiner Kriminal-Reihe unter dem Titel „Der nasse Fisch“, der als Serie „Babylon Berlin“ verfilmt wurde. Protagonist der Reihe ist der junge Kommissar Gereon Rath, der in den 20er- und 30er-Jahren in Berlin ermittelt. Kutscher verwebt in seinen Werken Kriminalistik und Zeitgeschichte. In wenigen Tagen wird der siebte Rath-Roman „Marlow“ erscheinen. Er spielt im Jahr 1935. Drei weitere Bände sollen folgen.

Jan Seghers, der als Schriftsteller, Kritiker und Essayist in Frankfurt lebt, las aus seinem sechsten Kriminalroman „Menschenfischer“. Dort folgt der Kommissar Marthaler dem Hilferuf eines alten Kollegen und widmet sich der Aufklärung eines seit 20 Jahren ungeklärten Mordes an einem kleinen Jungen. Als Vorlage für seine Kriminalromane dienen Seghers tatsächlich existierende Kriminalfälle. Die ersten fünf Fälle der Marthaler-Reihe wurden bereits vom ZDF verfilmt.

Tom Hillenbrands Science-Fiction-Krimi spielt im Jahr 2088. „Hologrammatica“ entwirft ein skurriles und zugleich düsteres Bild der Gesellschaft, in dem der Privatdetektiv Galahad Sing als sogenannter „Quästor“ auf der Suche nach einer verschwundenen Frau namens Juliette Perrot selbst in Gefahr gerät. Die Geschichte um Galahad Sing verknüpft einen Kriminalfall mit den Herausforderungen, Chancen und Risiken der Digitalisierung sowie der künstlichen Intelligenz in nicht ferner Zukunft.

Tobias Gohlis, Journalist, Kritiker und Autor, moderierte den Abend und bat am Ende des Abends alle drei Autoren zu einer abschließenden Diskussionsrunde auf die Bühne. Während einer Pause hatte das Publikum die Gelegenheit den Autoren in Gesprächen zu begegnen und sich ihre Bücher signieren zu lassen.

Bildrechte: Benjamin Stollenberg

Lange Nacht der Poesie
19.10.2018

Die „Lange Nacht der Poesie“ am Freitag, 19. Oktober schlug einen Bogen von klassischer Lyrik bis hin zur Klangperformance. In der Akademie für Darstellende Kunst wurde der zeitgenössischen Dichtkunst vor zahlreichen Gästen eine große Bühne bereitet.

Nadja Küchenmeister las aus ihrem Gedichtband „Unter dem Wacholder“, in dem sie mit wunderbar einprägsamer und melodischer Sprache abgesunkene Bilder und Töne hervorholt und diese zu einem furiosen Gesang über das Leben und den Tod verwebt. Sehr berührt hat auch Mary Jo Bang aus St. Louis, Missouri, die mit „Elegie“ einen der herausragendsten Gedichtbände Amerikas veröffentlichte, der mit dem National Book Critics Circle Award ausgezeichnet wurde. „Elegie“ ist ein epischer Gesang, der von der Trauer um den Tod ihres 2004 an einer Überdosis verstorbenen Sohnes erzählt. Safiye Can begeisterte das Publikum mit ihrer Intensität und Präsenz. Sie demonstrierte eindrucksvoll die Kraft der Worte. Ihr Gedichtband „Kinder der verlorenen Gesellschaft“ handelt von gefährdeter Liebe und der Isolation in einer Gesellschaft, die Empathie und die Fähigkeit zu authentischer Begegnung verloren zu haben scheint. Vergnügliches kam von dem in Stuttgart geborenen Wahlberliner Ulf Stolterfoht, der – bekannt für seine sprachkritische Lyrik und Essays – aus seinem Werk „Fachsprachen“ las.

Der Höhepunkt des Abends war unbestritten die Uraufführung des Werkes von Stadtschreiberin Rike Scheffler, die gemeinsam mit dem Soundvirtuosen und Klarinettisten Claudio Puntin ein vielstimmiges Soundstück – ein Klangerlebnis – auf die Bühne gebracht hat. Eine quietschende Kaffeemühle, eine klirrende Porzellantasse, Glockenspiel und Piccoloflöte – mit Objekten und dem Einsatz von Instrumenten ließ Scheffler Wegmarken der Ludwigsburger Geschichte aufblitzen. Rike Scheffler, Lyrikerin, Performerin und Künstlerin war im Mai und Juni dieses Jahres mehrere Wochen zu Gast in Ludwigsburg und hat die Stadt und ihre Bewohner aus literarischer Perspektive betrachtet. Sie ließ sich von Ludwigsburg, den Menschen, der besonderen Stadtgeschichte und Orten wie dem Residenzschloss und Märchengarten, dem Marktplatz, der Karlskaserne, der Weststadt und dem MIK inspirieren. So entstand ein vielstimmiges Soundstück, das seinen Ausgangspunkt in einem Remix der Dekrete und Aufrufe Herzog Eberhard Ludwigs findet – ein „Looppoem“, wie Scheffler es nennt – darüber was es heißt, gerade durch ein stetiges, demokratisches „Stadt Werden!“ vielfältige und weltoffene Stadt zu sein.

Die „Lange Nacht der Poesie“ wurde von Michael Braun, Literaturkritiker, Journalist und Herausgeber zahlreicher Anthologien zur Gegenwartslyrik, moderiert. In der Pause und am Ende der Veranstaltung gab es die Gelegenheit mit den Akteuren ins Gespräch zu kommen und sich Bücher signieren zu lassen. Der gut sortierte Büchertisch wurde von der Mörike-Buchhandlung betreut.

Bildrechte: Benjamin Stollenberg

GROSSER BADEN-WÜRTTEMBERG-TAG
14.10.2018

Am 14.10.2018 fand in der Stadtbibliothek im Rahmen der 35. Baden-Württembergischen Literaturtage der „Grossen Baden-Württemberg-Tag“ statt, der – wie der Name schon ausdrückt – die Schreib- und Literaturszene des Bundeslandes fokussiert. Das vielfältige Programm für alle Altersgruppen lud zum Zuhören, Zuschauen und Mitmachen ein: Autorinnen und Autoren aus Baden-Württemberg lasen aus ihren Werken. Eine Diskussionsrunde, unter der Leitung von Nicolai Köppel, widmete sich der Frage, inwiefern Stadterfahrungen zur Inspirationsquelle für Autorinnen und Autoren werden können.

Die Stiftung Kinderland Baden-Württemberg präsentierte auf der Lesebühne zahlreiche junge Talente und verlieh die Preise des Schreibwettbewerbs „(W)Orte der Demokratie“. Das große Familienprogramm bot Sand-, Gaming-, Märchen-, Papier-, Literatur- und Medienwerkstätten zum Mitmachen an. Vor dem Kulturzentrum parkte der Bücherbus. Im Obergeschoss des Zentrums fand der traditionelle Bücherflohmarkt der Stadtbibliothek statt. Am Abend hieß es beim Poetry Slam Bühne frei für die besten Nachwuchspoeten im Land.

Bildrechte: Benjamin Stollenberg

Der Auftakt der Literaturtage:
„Lange Nacht der Stadt“
13.10.2018

Mit der ersten von vier „Langen Nächten“ sind am Samstag, 13. Oktober 2018, im Scala die 35. Baden-Württembergischen Literaturtage eröffnet worden. Die Literaturtage, die unter dem Motto „Stadt werden!“ stehen, sind der krönende Abschluss der Festlichkeiten zum 300-jährigen Stadtjubiläum Ludwigsburgs.

Nach der Eröffnung durch Herrn Oberbürgermeister Werner Spec und einem Grußwort von Frau Petra Olschowski, Staatssekretärin im Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst des Landes Baden-Württemberg, begann die literarische Reise durch Tokio, Belgrad, Mexiko City, Istanbul, Mumbai, Paris und Madrid.

Im Gespräch mit den Moderatoren Matthias Göritz und Silke Scheuermann, gaben die vier Autoren Jean-Philippe Toussaint (Belgien), Aleš Šteger (Slowenien) und die beiden deutschen Autorinnen Ulla Lenze und Anna Katharina Hahn Einblicke in ihre Arbeitsweise und ihre literarischen Werke. In der Pause standen die Autorinnen und Autoren für Gespräche zur Verfügung. Der Harfenist Tobias Southcott sorgte für einen stimmungsvollen musikalischen Rahmen.

Bildrechte: Benjamin Stollenberg

Tape-Art-Workshop:
Poesie in Klebebandtechnik
im öffentlichen Raum
06.10.2018

Am 6. Oktober 2018 fand ein Tape-Art-Workshop mit den Künstlern Hartmut Landauer und Menja Stevenson statt, die mit Jugendlichen des Vereins für internationale Jugendarbeit ein Tape-Art-Kunstwerk für die Ludwigsburger Literaturtage erschaffen haben. Die Treppe des Akademiehofs wurde mit ausgewählten Textstellen/Zitaten aus dem Roman „Das Kleid meiner Mutter“ von Anna Katharina Hahn „beschrieben“ und grafisch um neue Bedeutungsebenen erweitert. Im Workshop wurden zunächst grundlegende Techniken der Tape-Art erarbeitet. Anschließend wurde mit Tape und Cutter ein großformatiges Klebe-Kunstwerk hergestellt. Strukturen, Muster und Textfragmente visualisieren Zitate aus dem Roman. Die Treppenstufen fungieren als Leinwand - farbiges Tape ersetzt Pinsel und Farbe.

Das Klebe-Kunstwerk ist Teil des Literaturparcours, der weitere Stationen bietet: Poesieprojektion an der Wand des Staatsarchivs, im Kulturzentrum stellt die Kulturakademie der Stiftung Kinderland visuell aufbereitete Texte aus und im Rathaushof ist die großformatige Teichfolieninstallation „24 Seiten“ von Nina Joanna Bergold zu sehen.

Bildrechte: Menja Stevenson